Gold bedeutet Selbständigkeit

Ein Ja zur Initiative stärkt die Stabilität der Schweiz und damit unser politisches ­direktdemokratisches System, also auch die Wirtschaft und nicht zuletzt den Bankenplatz Schweiz

 

Interview mit Nationalrat Luzi Stamm

thk. Nachdem im März 2013 die Gold-Initiative mit über 100  000 Unterschriften zustande kam, wird bereits am 30. November darüber abgestimmt werden. Die Initiative hat enorme Bedeutung, weil sie bei einer Annahme unserem Land in einem ganz wichtigen Bereich Souveränität zurückgibt. Was das im einzelnen für Auswirkungen auf unser Land und unsere Wirtschaft hat, erklärt Nationalrat und Initiant Luzi Stamm im folgenden Interview.

Zeit-Fragen: Was war der Anlass für die Gold-Initiative, über die im November abgestimmt wird?

Nationalrat Luzi Stamm: Die Idee wurde geboren, als wir feststellen mussten, dass die Nationalbank mit unheimlichem Tempo Gold zu verkaufen begann. Nie wurde dabei das Volk befragt! Bis Anfang 2000 besass die Schweiz noch 2 590 Tonnen Gold. Ab Mai 2000 verkaufte die Nationalbank pro Tag eine volle Tonne Gold. Als die Verkäufe andauerten, haben wir uns gesagt, halt, wir müssen diese kopflosen Goldverkäufe unbedingt stoppen.

Ist bekannt, warum die Nationalbank sich veranlasst gesehen hat, diese Verkäufe durchzuführen, oder wurde sie dazu gedrängt?

Das war ein Kniefall gegenüber dem Druck aus dem Ausland. Ende der 90er Jahre kam immenser Druck aus Nordamerika auf, schliesslich zahlten wir Milliarden. Ich stelle auch fest, dass sich die Verantwortlichen in der Nationalbank in gigantischem Ausmass verschätzt haben, denn ihre Prognosen waren völlig falsch. Aber der Hauptgrund für den Verkauf war damals diese Erpressung aus Nordamerika.

Wo kommt das Gold eigentlich her?

Das ist eine lange Geschichte. Die Nationalbank wurde 1907 gegründet. Im Krieg musste die Schweiz dann die bittere Erfahrung machen, dass sämtliches Gold im Ausland blockiert wurde. Die USA, Kanada, Grossbritannien, alle haben blockiert, auch aus der Angst, das Gold könnte bei einem Angriff den Deutschen in die Hände fallen. Ende 1945 hatte die Schweiz dann die 2 590 Tonnen, welche bis Ende 1999 aktuell waren. Obwohl der Bundesrat noch kurz vor dem Verkauf gesagt hat, es handle sich um unser Familiensilber, das wir niemals verkaufen dürfen. Der Direktor der Nationalbank sagte 1995 wörtlich, es sei «in keinster Weise» geplant, das Gold je zu verkaufen. Im krassen Widerspruch zu allen Versprechungen wurde wenig später mehr als die Hälfte des Goldes verhökert.

Was bedeutet das für unser Land, dass wir so viele Tonnen des Goldbestandes verkauft haben?

Gold ist eine Frage der Unabhängigkeit. Je höher eine Währung mit Gold hinterlegt ist, um so unabhängiger wird ein Land. Je mehr die Nationalbank die Strategie verfolgt, wir drucken einfach Geld und kaufen fremde Währungen, desto abhängiger wird das Land. Gold bedeutet Selbständigkeit, man kann in Finanzfragen nicht vom Ausland unter Druck gesetzt werden.

Man hört immer wieder das Argument, dass die von der Initiative beabsichtigte 20prozentige Golddeckung die Nationalbank in ihrer Handlungsfreiheit einschränken würde. Ist das ein faules Argument gegen die Gold-Initiative? Wie sehen Sie das?

Das ist ein völlig deplaziertes Argument. Im Gegenteil: Die Unabhängigkeit der Nationalbank wird gestärkt. Die Nationalbank kann nach wie vor nach Belieben neues Geld drucken, was zwar nicht meinen Vorstellungen entspricht. Aber sie kann immer noch beliebig Geld drucken und zum Beispiel deutsche oder amerikanische Staatspapiere kaufen, sie hat hier überhaupt keine Einschränkungen. Nur: Wenn sie Geld druckt, muss sie wenigstens einen kleinen Teil davon in Gold investieren.

Warum müssen es 20 Prozent sein? Warum nicht mehr? Die grösste Sicherheit wäre ja, wenn man die gesamte Währung mit Gold deckt. Das scheint zwar heute nicht mehr opportun zu sein bei der ständigen Ausdehnung der Geldmenge?

20 Prozent der Aktiven wäre heute ziemlich genau wieder der Bestand vor 1999, von welchem wir leider einen Grossteil bereits verkauft haben; wir würden also bei einem Ja zur Initiative zum Status quo ante zurückkehren. Die Überlegung ist, dass es ein schwerer Fehler war, von den damals vorhandenen 2 590 Tonnen mehr als die Hälfte zu verkaufen.
Verkauft wurde ab Mai 2000 ohne politische Diskussion. Das Volk wurde in keiner Art und Weise gefragt, aber selbst im Parlament gab es nie eine Abstimmung, wollt ihr das Gold verkaufen oder wollt ihr es nicht verkaufen. Die Diskussion ging erst los, als es darum ging, wie man das Geld verteilen soll, nachdem das Gold schon verkauft war.

Wer ist für den Schritt des Goldverkaufs eigentlich verantwortlich?

Die Bundesverwaltung und die Nationalbank, es wurden Arbeitsgruppen eingesetzt.

Ein dritter Punkt in der Initiative ist die Frage nach der Lagerung des Goldes. Hier gab es kurz nach Einreichen der Initiative plötzlich eine Antwort.

Das Gold muss man unbedingt in der Schweiz aufbewahren. Gerade die heutige Zeit und die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre zeigt, dass schon in Friedenszeiten Boykotte und Erpressungen zunehmen. Wer glaubt im Ernst daran, dass in einem wirklichen Krisenfall unser Gold je wieder zurück in die Schweiz geholt werden könnte? Deshalb ist das auch ein ganz wichtiger Punkt dieser Initiative.

Die Initiative hat den Bundesrat in Zugzwang gebracht zu sagen, wo das Gold gebunkert ist.

Während Jahrzehnten hat der Bundesrat auf die Frage, wo das Nationalbankgold sei, ganz offiziell gesagt, «Ich weiss es nicht, ich will es auch nicht wissen, und ich muss es auch nicht wissen.» Erst im Moment, als wir mit grossem Aufwand die 100  000 Unterschriften eingereicht haben, hat sich die Nationalbank endlich dazu bequemt, zu sagen, wo das Gold angeblich liegt (externe Kontrollen gibt es nicht). Ein Grossteil unseres Goldes liegt in der Schweiz, 20 Prozent in Grossbritannien und 10 Prozent in Kanada. Am Rande sei erwähnt, dass die Nationalbank verschwiegen hat, wo sie die 1 550 Tonnen Gold gelagert hatte, die sie nun in den letzten Jahren verkauft hat. Es könnte sein, dass dieses nun bereits verkaufte Gold in den USA gelagert war und die Schweiz es nicht mehr zurückbekommen hat. Somit haben sie es wahrscheinlich unter Druck verkaufen müssen, jedenfalls wurde es für einen miserablen Preis verhökert. Ob es überhaupt noch vorhanden war, weiss niemand. Da bestehen ja weltweit hektische Diskussionen. Viele Deutsche sind zum Beispiel überzeugt, dass ihre 3 700 Tonnen, deren Grossteil im Ausland – in den USA – liegen soll, gar nicht mehr existieren. Wenn das Gold tatsächlich weg wäre (bereits verkauft oder verpfändet), dann wäre das äusserst bedenklich.

Wie glaubhaft sind die Angaben der Behörden, das Gold sei noch vorhanden?

Letztlich ist alles eine Behauptung, solange es keine externen, wirklich unabhängige Prüfungen gibt. Wenn uns zum Beispiel die Kanadier das Gold zeigen würden, woher sollen wir wissen, ob sie den Deutschen nicht dieselben Goldbarren zeigen und ihnen gegenüber behaupten, dies sei das deutsche Gold. Das Gold könnte auch verleast oder bereits verpfändet sein. Wir bräuchten unbedingt Gewiss­heit, welches Gold physisch noch vorhanden ist und wem es gehört. Ich hoffe, wenigstens die heute als Schweizer Gold ausgewiesenen 1 040 Tonnen sind noch vorhanden.

Welche Strategie könnte hinter dem Verhalten der USA stehen?

Ich zögere, über mögliche Motive zu spekulieren, weil man es nicht weiss. Aber es ist eine Tatsache, dass der Druck aus den Vereinigten Staaten ganz enorm zugenommen hat. Man denke nur, wie die USA soeben von einer französischen Bank gegen 10 Milliarden Franken (!) erpresst haben. Das sind unglaubliche Entwicklungen. Je mehr Boykotte und internationaler Druck zunehmen, um so vorsichtiger und um so sicherer müssen wir sein, dass das Gold in unserem Land liegt und nicht mehr verkauft werden kann.

Das ist schon erstaunlich, was einem von sogenannten befreundeten Staaten geboten wird.

Ja, auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre muss man sich genau überlegen, mit welchem Staat man engere Beziehungen eingehen will. Ich stelle fest, dass selbst bei Staaten, die wir noch vor kurzem als die besten Freunde bezeichnen konnten, heute grosses Misstrauen angesagt ist. Wir werden behandelt, wie ich das vor 5 Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Auf jeden Fall müssen wir alles daran setzen, dass wir unsere Unabhängigkeit aufrechterhalten können: Gesetze innerhalb von unseren Grenzen sind unsere Sache. Unser Gold müssen wir behalten, und das selbstverständlich im eigenen Land.

Was bedeutet es also, wenn die Initiative im Herbst angenommen wird?

Ein Ja zur Initiative stärkt die Unabhängigkeit unseres Landes, gibt mehr Schutz der Nationalbank gegen Druck von aussen. Intern kann die Nationalbank machen, was sie will. Ein Ja stärkt die Stabilität der Schweiz und damit unser politisches direktdemokratisches System, also auch die Wirtschaft und nicht zuletzt den Bankenplatz Schweiz.

Herr Nationalrat Stamm, herzlichen Dank für das Gespräch.    •
(Interview Thomas Kaiser)

Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» – Deshalb am 30. November 2014 Ja stimmen!

Das Fundament jeder stabilen Währung sind werthaltige Reserven. Gerade in der heutigen unsicheren Zeit ist es für die Zukunft des Schweizerfrankens von entscheidender Bedeutung, dass den Goldreserven Sorge getragen wird. So können wir unser Volksvermögen auch in schwierigen Zeiten sichern.
Das will die Volksinitiative:
–    Keine weiteren Goldverkäufe!
–    Goldreserven sind in der Schweiz zu lagern!
–    Goldanteil an Nationalbank-Aktiven muss mindestens 20% betragen!