Nato-Angriffskrieg – 17 Jahre danach

Diskussionsforum zum Gedenken der Opfer

von Belgrade Forum for a World of Equals

Am 23. März 2016 fand in Belgrad ein Diskussionsforum statt, das dem Gedenken der Opfer des Nato-Angriffskriegs gegen Serbien (bzw. der Bundesrepublik Jugoslawien) gewidmet war, welcher an diesem Tag vor 17 Jahren entfacht wurde. Das Diskussionsforum war vom Belgrade Forum for a World of Equals, vom Verein serbischer Generäle und Admirale, von SUBNOR in Serbien (Vereinigung der Kriegsveteranen) und vom serbischen Verein der Gastgeber organisiert worden. Das Diskussionsforum wurde besucht von Studentenvertretern, von Vertretern der serbischen Diaspora, von Vladimir Chushev, Botschafter von Weissrussland und auch von Diplomaten der Botschaften der Russischen Föderation, der Volksrepublik China, der Republik Angola, der Schweiz und anderer befreundeten Länder.
Zu Beginn gedachten die Teilnehmer den 1008 Todesopfern der Verteidigung – Soldaten und Polizisten – sowie über 2500 getöteter Zivilisten, einschliesslich der 80 Kinder im Alter von einigen Monaten bis zum Jugendalter.
Die Teilnehmer wurden begrüsst von den Ehrengästen, Herrn Maksim Misko, Präsident der Friedensstiftung von Weissrussland, und Professor Dr. Zahari Zahariev, Präsident der Stiftung «Slavyani» aus Bulgarien.
Unter dem Motto «Never to Forget» wurden Vorträge über die Folgen des Nato-Angriffskriegs und die Globalisierung des Interventionismus gehalten von Herrn Živadin Jovanović, Präsident des Belgrade Forums, General a.D. Dr. Radovan Radinović, Dr. Stanislav Stojanović, Diplomat, General a.D. Dr. Luka Kastratović und Professor Dr. Aleksandar Rastović, Historiker.

Wendepunkt in den internationalen Beziehungen

In ihren Kernaussagen hoben die Referenten hervor, dass der Nato-Angriffskrieg vor 17 Jahren einen Wendepunkt in den internationalen Beziehungen markierte, da die Verschiebung hin zu einem schrankenlosen militärischen Interventionismus von seiten der USA und der Nato ein entscheidender Schritt war zur Implementierung der Nato-Strategie, sich nach Osten auszuweiten bis zur russischen Grenze. Dies beinhaltete auch die Militarisierung sowohl von Europa als auch auf internationaler Ebene, das Unterminieren des Systems der Vereinten Nationen und der Rechtsordnung, die auf der Grundlage des Ausgangs des Zweiten Weltkrieges festgelegt worden waren. Ihre Absicht war es, Chaos zu schaffen, damit ihre eigennützigen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen leichter bedient werden konnten. Die Schlussfolgerung war, dass das Zeitalter der Dominanz der unipolaren Weltordnung vorbei ist, die internationalen Beziehungen in eine Phase bahnbrechender Veränderungen eingetreten sind und dass ein grosser Konflikt nur verhindert werden kann, wenn Russland und China als Partner auf gleicher Augenhöhe anerkannt werden und auch als unabdingbare Faktoren bei der Lösung sämtlicher schwerwiegenden internationalen Probleme akzeptiert werden.
Es wurde festgehalten, dass der internationale Terrorismus aus dem Nahen Osten, aus Zentralasien und Nordafrika rapide ansteigt, Europa überflutet und dass sich dieser Trend mit grosser Wahrscheinlichkeit in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten ausbreiten wird. Diesen Trend aufzuhalten verlangt vom Westen und vor allem von den USA, ihre Politik der Doppelstandards aufzugeben und auf ihre Rangordnung von terroristischen Organisationen als «freiheitskämpferisch» vs. «terroristisch», oder als «moderat» vs. «extremistisch» zu verzichten.

Die 90er Jahre waren gekennzeichnet durch das Fehlen von politischem Willen, sich an die Entscheidungen des Sicherheitsrates zu halten und die terroristische UÇK im Kosovo und in Metochien nicht mehr weiter zu finanzieren, zu trainieren und zu bewaffnen. Niemand kümmerte sich darum zu verstehen, dass der Westen (Nato) die Sezession eines Teils des serbischen Staatsgebietes unterstützte und dies darauf hinauslief, dass Terrorismus und organisierte Kriminalität, welche auf Zentral- und Westeuropa abzielen, Fuss fassen konnten. Nun wird es höchste Zeit, dass der Westen versteht, dass er durch egoistische Interessen, unrealistische geopolitische Ziele, durch Russophobie und Serbophobie irregeleitet worden ist.
Warnend wurde geäussert, dass das Überschwappen des Terrorismus auf den Westen an Fahrt gewinnen würde, wenn nicht die Finanzierungskanäle, das Trainieren und Bewaffnen des IS umgehend beendet werden, wobei dies in erster Linie von der politischen Agenda der grössten westlichen Macht abhänge.

UN-Weltkonferenz über Terrorismus gefordert

Es wurde vorgeschlagen, dringend eine Weltkonferenz über Terrorismus unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu fordern, welche grünes Licht geben könnte für die Ausarbeitung eines internationalen Abkommens zur Bekämpfung des Terrorismus.
Die Teilnehmer des Diskussionsforums verurteilten einstimmig die Terrorangriffe in Belgien und die vorangegangenen in Frankreich aufs schärfste und brachten den Familien der unschuldigen Opfer dieser Angriffe ihre Anteilnahme zum Ausdruck.
Am Ende der Veranstaltung befürworteten die fast 200 teilnehmenden Vertreter unabhängiger, überparteilicher Vereinigungen die Initiative, bei der Regierung der Republik Serbien den Antrag zu stellen, in Zukunft jeden 24. März als Jahrestag zu begehen, indem die nationalen Flaggen bei allen offiziellen Institutionen auf Halbmast gesenkt werden, zum Zeichen des Gedenkens und der Ehrung der Opfer des Nato-Angriffskriegs.     •
(Übersetzung Zeit-Fragen)