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| Zeit-Fragen > 2012 > Nr.25 vom 11.6.2012 > Möchten Sie zu «Schule und Bildung» eine kleine neurolinguistische Seelenmassage? | [Druckversion] |
Möchten Sie zu «Schule und Bildung» eine kleine neurolinguistische Seelenmassage?Angriffsziel Schule und Kirchevon Dr. phil. Judith Barben, Psychologin Umweltschutz als Manipulationsinstrument1980 wurde die Grüne Partei Deutschlands von Vertretern der kommunistischen, ökologischen und anderer Gruppen im Gefolge der 68er Bewegung gegründet.1 Der damalige Vordenker der Grünen, Rudolf Bahro,2 hielt fest, dass es nicht genüge, Machtstellungen in der Gesellschaft zu erobern. Vorrangig müsse man versuchen, eine Wende im Denken der Menschen herbeizuführen. Eine «Psychotherapie grössten Stils» sei nötig, um die Bevölkerung «von der bis in die Tiefenschichten verinnerlichten, beschränkten Sozialisation [das heisst von den christlich-abendländischen Werten] zu befreien».3 Offensichtlich ging es also nicht um Umweltschutz4, sondern ökologische Anliegen wurden nur vorgeschoben, um die Öffentlichkeit mittels künstlich erzeugter Befürchtungen zu manipulieren. Das politische Ziel Bahros war die «Überwindung» von Marktwirtschaft, Demokratie und Technik5 und Hinwendung zu einer neuen «Praxis der Befreiung» und «Selbstfindung in therapeutischen und spirituellen Gruppen». Dabei dürfe man auch «den Durchgang durch Momente der Desintegration, des Nichts und des Chaos nicht scheuen».6 Als Fernziel nannte Bahro die Errichtung einer «Ökodiktatur» mit einem «grünen Adolf»7 an der Spitze. Doch vorerst müsse man daran arbeiten, auch «wertkonservative Strömungen ins Boot zu ziehen»8 und die Unterstützung der Medien zu gewinnen. In diesem Sinne verkündete er: Angriffsziel Schule und KircheSchule und Kirche waren für Bahro Hindernisse, weil sie die christlich-abendländischen Werte hochhalten und vermitteln. So plante er die längerfristige Auflösung der Landeskirchen und Ersatz durch eine «unsichtbare Kirche», eine Art mystischer Naturreligion.10 Die Schulen sollten in lernbefreite Selbstverwirklichungsagenturen umgewandelt werden, denn eine ungebildete, desorientierte Jugend lässt sich leichter für politische Zwecke instrumentalisieren. In Bahros Worten: «Von dort her, wo ‹Kopf out› ist, können Ursprungsenergien für den Widerstand kommen.»11 Seine Langzeitstrategie lautete: … dort, wo Deutschland katholisch istDreissig Jahre später nimmt die Öffentlichkeit staunend zur Kenntnis, dass Bahros Strategie Punkt für Punkt aufgegangen ist.13 2011 wird im mehrheitlich katholischen Bundesland Baden-Württemberg, südlich der Main-Linie am Rhein gelegen, mit Winfried Kretschmann der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands gewählt. Unmittelbar nach der Wahl lässt dieser seine «katholische Maske» fallen14 und macht sich daran, das bundesweit beste (neben Bayern) Schulsystem Baden-Württembergs zu zerschlagen und umzukrempeln. Um die Öffentlichkeit über die wahre Natur dieses Umbauprozesses zu täuschen, bedient er sich, in Bahros Fussstapfen, manipulativer Psychotechniken, insbesondere des «neurolinguistischen Programmierens». «Das beste Manipulationsmodell, das ich kenne»Das «neurolinguistische Programmieren», auch «NLP» genannt, ist ein Manipulationsverfahren, das in der politischen Propaganda häufig verwendet wird. «NLP ist das beste Manipulationsmodell, das ich kenne», stellt einer seiner Begründer fest.15 Die Methode wurde aus verschiedenen manipulativen Vorgehensweisen zusammengeschmolzen, die aus amerikanischen Versuchslabors stammen. Die Bezeichnung «neurolinguistisches Programmieren» besagt, dass der Mensch über die Wahrnehmung («Neuro ») mittels sprachlicher Botschaften (linguistisch) «programmiert» oder vielmehr umprogrammiert werden soll. Laut Selbstdefinition ist NLP eine «Sammlung höchst wirksamer Kommunikations- und Veränderungstechniken», mit denen die Persönlichkeit angeblich «bis in den Kern der Identität hinein» verändert werden kann.16 Beim NLP spielt die Hypnose eine zentrale Rolle. Die Methode ist geeignet, neue Ideen als hypnotische Botschaften unbemerkt einzupflanzen und Wertvorstellungen umzupolen. Fragwürdige IdeologieDie Ideologie des «neurolinguistischen Programmierens» entspricht in etwa derjenigen Bahros und steht im klarem Gegensatz zum Wertekonsens unserer Gesellschaft. So lautet ein «Glaubenssatz» des NLP, die Realität sei nicht wichtig, denn jeder Mensch habe seine eigene Realität. Ein zweiter NLP-Glaubenssatz besagt, es gebe keine Fehler und kein Versagen, und ein dritter behauptet, hinter jedem Verhalten stecke eine positive Absicht. Mit diesen absurden Behauptungen wird die Existenz von Gut und Böse geleugnet. Wenn es keine Realität, keine Fehler und keine schlechten Absichten gibt, dann gibt es auch keinen Massstab, an dem Recht und Unrecht gemessen werden können. Opfer von Gewalttaten können keine Wiedergutmachung erwarten, da die Realität ihrer Wahrnehmung grundsätzlich in Frage gestellt wird. Ausserdem können Verbrecher nicht bestraft werden, da es ja angeblich keine schlechten Absichten gibt. So entlarven sich die scheinbar liberalen Glaubenssätze als Wegbereiter von Gewalt und Willkür. Hypnotische Worthülsen zur TarnungDies ist auch bei der rot-grünen Radikalreform des baden-württembergischen Schulwesens der Fall, die sich mit einlullenden Begriffen wie «Gemeinschaftsschule», «Haus des Lernens», «individuelle Förderung», «optimaler Bildungserfolg», «leistungsstarke Bildung», «soziale Gerechtigkeit» und ähnlichen Irreführungen tarnt. Alle diese Begriffe lassen angenehme Empfindungen anklingen. «Gemeinschaft» ist etwas Schönes, ein «Haus des Lernens» lässt Vorstellungen von Geborgenheit und einem schützenden Dach anklingen, während der Ausdruck «individuelle Förderung» vorgaukelt, jeder Schüler würde in seiner individuellen Situation erfasst und gefördert. So hat das Spiel begonnen …1. Da ist zunächst eine politische-ökonomische «Grosswetterlage», eine bestimmte Konstellation des globalen Staatensystems, die man governancetheoretisch als «Akteurskonstellation» bezeichnen kann, freilich eine Konstellation besonders mächtiger Akteure. […] Aus: Langer, Roman. Warum haben die Pisa gemacht? Ein Bericht über einen emergenten Effekt internationaler politischer Auseinandersetzungen. In: Langer, Roman (Hrsg.) «Warum tun die das?» Governanceanalysen zum Steuerungshandeln in der Schulentwicklung. Educational Governance Band 6. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008. S. 66f. |
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